Nein zur Initiative

Neue Probleme

Zwar könnte mit dem Tunnel die Verkehrsmenge im Zentrum von Kriens reduziert werden, doch gleichzeitig sind andere Quartiere von zusätzlichem Verkehr betroffen. Speziell die Horwerstrasse müsste den verlagerten Verkehr aufnehmen. Ergänzend zum Tunnel sind im Zentrum Dosierungsmassnahmen notwendig. Für einen maximalen Verlagerungseffekt in den Tunnel müsste diese Dosierung sehr hoch sein, was negative Auswirkungen auf das Gewerbe hätte. Zudem würde ein attraktiver Umfahrungstunnel mehr Durchgangsverkehr über das Renggloch anziehen.

Tiefer Nutzen

Die nachfolgende Grafik zeigt die Einwohner und Arbeitsplätze auf beiden Tunnelseiten. Die Verkehrsströme in Kriens sind hauptsächlich Richtung Luzern ausgerichtet. Somit profitieren die Mehrheit der Einwohnerinnen und Einwohner sowie Arbeitnehmenden nicht vom Tunnel. Da der Durchgangsverkehr lediglich 6 Prozent ausmacht, wäre der Nutzen auch für die wenigen durchfahrenden Autofahrenden kaum zu rechtfertigen.

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Hohe Kosten

Der Ausbau von 3.5 km nötigen Zubringerstrassen (z.B. Abbiegespuren an Knoten, Busbevorzugung, Sicherheitsverbesserungen für Langsamverkehr, usw.) kostet rund 42 Mio. Franken. Der 1.5 km lange Tunnel kostet zwischen 97 Mio. Franken (Vergleichsobjekt Tunnel Giswil) und 195 Mio. Franken (Vergleichsobjekt Tunnel Küssnacht). Für die Lenkung des Verkehrs in den Tunnel müsste das Zentrum Kriens auf 500m verkehrsberuhigt und damit dosiert werden. Dies zu Kosten von rund 11 Mio. Franken. Zusammen ergibt das geschätzte Gesamtkosten von 150 bis 248 Mio. Franken. Die jährlichen Folgekosten für Betrieb- und Unterhalt liegen zwischen 3 und 5 Mio. Franken. Die Finanzierung des Tunnels hätte eine Pro-Kopf-Verschuldung von 11‘000 Franken bis 14‘500 Franken (kantonales Mittel = 2‘132 Franken) zur Folge. Ausserdem würde sich der Steuersatz von 2.00 auf 2.31 bis 2.52 Einheiten erhöhen.

Unpassend für Kriens

In den Gebieten Feldmühle und Krauerwiese müssten neue Tunnelportale erstellt werden, die einen markanten Eingriff ins Ortsbild und Quartierleben bedeuten. Neue grosse Verkehrsanlagen können in den Quartieren die Lebensqualität verringern. Im Bereich der Tunnelportale befinden sich zudem Schulhäuser, Heime und Sportanlagen, was die Verkehrssicherheit beeinträchtigen würde.

Die Initiative schlägt ausserdem die Öffnung der Motelstrasse für Autos im Gegenverkehr vor (heute Einbahn). Geplant ist im öV-Bericht, aber auch im Grundkonzept Verkehr LuzernSüd vom August 2015 die Nutzung der Strasse für den öV im Gegenverkehr. Dies ermöglicht die direkte Führung der Linie 21 zusammen mit einer neuen Haltestelle. Der Autoverkehr soll auf dem übergeordneten Strassennetz verbleiben und nicht die neuen Quartiere belasten.

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Lange Zeit bis zur Inbetriebnahme

Der Realisierungshorizont einer Südumfahrung wird auf mindestens 16, eher 30 Jahre geschätzt, da der Tunnel weder beim Bund, Kanton oder bei der Gemeinde verankert ist. Nach ersten Projektierungsarbeiten im Umfang von mehreren Millionen Franken müsste die Gemeinde beim Bund und Kanton die Anpassung wichtiger raumplanerischer Grundlagen beantragen. Dieses Prozedere kann bei offenem Ausgang Jahre dauern, da ein Umfahrungstunnel wenig zur Strategie der Verkehrsentwicklung der Agglomeration Luzern passt. Auch die Ausarbeitung des Bauprojekts mit der Möglichkeit zur Einsprache zieht das Tunnelprojekt in die Länge. Zuletzt würde der Bau mehrere Jahre in Anspruch nehmen.

Deshalb:  Der Gemeinderat lehnt die Initiative „Staufreies Kriens“ ab. Er strebt ein staufreies Kriens auf nachhaltigen Wegen an.

 

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