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Krienser Horte werden ab Sommer durch die Volksschulen geführt

Die Kinderbetreuung in den Horten Kriens wird näher zur Schule rücken - für eine ganzheitliche Betreuung der Kinder.

In Kriens werden die schulergänzenden Tagesstrukturen ab Sommer 2018 von der Volksschule selber fortgeführt. Der bisherige Anbieter, der Gemeinnützige Frauenverein Kriens (GFV), wollte das Angebot der Gemeinde Kriens auf eine Verlängerung der bisherigen Leistungsvereinbarung nicht annehmen, weil er mit der vom Gemeinderat festgelegten strategischen Ausrichtung nicht einverstanden war. Die langfristige Ausrichtung wird jetzt im politischen Prozess entschieden.

Die schulergänzenden Tagesstrukturen gehören zu den gesetzlichen Aufgaben der Gemeinden. Schüler- und Kinderhorte mit Betreuungsangeboten und Mittagstischen sind im Volksschulbildungsgesetz verankert und sollen es Eltern ermöglichen, ihre Rolle als Eltern und eine (Teilzeit-) Berufstätigkeit miteinander zu verbinden.

Vor diesem Hintergrund werden diese Angebote in den meisten Luzerner Gemeinden heute durch die Volksschule erbracht. In Kriens ist das aus historischen Gründen anders. Hier betreibt der Gemeinnützige Frauenverein Kriens die Horte. In einem Leistungsauftrag mit der Gemeinde Kriens ist geregelt, welche Leistungen der GFV erbringt und wie die Gemeinde Kriens diese Leistungen entschädigt. Diese Leistungen erbrachte der GVF in den letzten Jahren zur vollsten Zufriedenheit der Gemeinde. Dennoch startete die Gemeinde vor einem Jahr ein Projekt, in dem die aktuellen Strukturen der Kinderbetreuung in Zusammenarbeit mit den heutigen Anbietern unter der Leitung der Hochschule Luzern überprüfen werden sollten. Ein Leistungsangebot nach 10 Jahren grundsätzlich zu prüfen sei angebracht, fand die Gemeinde. Die aktuellen Entwicklungen in Richtung einer konzeptionellen und inhaltlichen Verbindung von Unterricht und Betreuung sollen weiter entwickelt werden. Dazu zeigte sich, dass ein Auftrag an Drittanbieter in dieser Grösse in regelmässigen Abständen öffentlich auszuschreiben ist.

Die Ergebnisse der Untersuchungen liegen inzwischen vor. Der Gemeinderat hat sich im November an seiner Klausur über die Ergebnisse der Arbeitsgruppe Tagesstrukturen informieren lassen. Die breit abgestützte Arbeitsgruppe kam zum Schluss, dass eine Übernahme durch die Volksschule pädagogisch und organisatorisch für die Kinder und Eltern richtig sei. Der Gemeinderat hat diese Stossrichtung im Grundsatz unterstützt und beauftragte das Bildungs- und Kulturdepartement, ein Konzept für die zukünftigen Tagesstrukturen auszuarbeiten. Die Nähe von Tagesstrukturen und Schule biete die Chance, dass sich die Schule mitsamt den Tagesstrukturen weiterentwickeln könne und für die Kinder einheitliche pädagogische Grundsätze und Haltungen verankert werden könnten. «Wenn diese in der Schule und in der Freizeit gleich sind, erleichtert das Kindern die Orientierung und die Abstimmung mit den Eltern gleichermassen,» sagt Markus Buholzer, Rektor der Volksschule Kriens.

Die Umsetzung dieses strategischen Entscheides wollte der GFV aber nicht abwarten. Deren Leitung informierte die Gemeinde Kriens am Mittwoch, dass sich der Verein vor diesem Hintergrund aus der Zusammenarbeit zurückziehen wolle. Er sehe die Tagesstrukturen mehr als Ersatz für das Elternhaus und nicht wie der Gemeinderat als Teil der Schule. Deshalb wolle er auch nicht Hand bieten für eine Verlängerung der auslaufenden Leistungsvereinbarung. Egal, ob dieser Auftrag wie gewohnt vier oder nur zwei Jahre dauern würde – es sei, so der GFV, ohnehin nur als Übergangslösung zu verstehen. Das werde auch mit der neuen organisatorischen Zuständigkeit ausgedrückt: Seit der Departementsreform in Kriens im September 2016 gehört die Kinderbetreuung zum Bildungs- und Kulturdepartement, sie war vorher Teil des Umwelt- und Sicherheitsdepartements.

Die Gemeinde Kriens bedauert den Rückzug des GFV, hatte doch der Verein die Aufgaben stets zur vollsten Zufriedenheit der Gemeinde ausgeführt. «Mit unserem Angebot einer zwei- oder vierjährigen Verlängerung hätten wir für alle Betroffenen die Voraussetzungen geschaffen, die Tagesstrukturen gemeinsam mit dem GFV ohne Zeitdruck an die Herausforderungen der Zukunft heranzuführen,» bedauert Judith Luthiger, Vorsteherin des Bildungs- und Kulturdepartements, den Rückzugsentscheid.

Mit dem Ausstieg des GFV wird die Schule gefordert, die Betreuung der Kinder in der heutigen Qualität sicherzustellen. Die Volksschule Kriens verfügt über grosses Knowhow, diese Herausforderung zu meistern. Sie wird Planung, Organisation und Umsetzung der Tagesstrukturen im Sommer 2018 selber übernehmen. Dies betrifft die fünf Standorte der Schülerhorte Feldmühle, Meiersmatt, Amlehn, Roggern und im Heinrich Walter Haus. Die Vorbereitungsarbeiten dazu werden unverzüglich starten: «Wir werden sicherstellen, dass Kinder und Eltern im Betreuungsalltag von diesem Wechsel nichts merken,» sagt Markus Buholzer, Rektor der Volksschulen Kriens. «Insbesondere werden wir als erstes mit allen Mitarbeitenden der heutigen Horte das Gespräch suchen. Ihre Erfahrung und ihr Fachwissen, aber auch ihr Vertrauensverhältnis zu Kindern und Eltern sind für ein qualitativ gutes Betreuungs-Angebot enorm wichtig.»

Die Übernahme der Tagesstrukturen sollte für die Gemeinde Kriens selber kostenneutral erfolgen. Die entsprechende Infrastruktur und die Räumlichkeiten stellt die Gemeinde Kriens schon heute zur Verfügung. Es ist das Ziel der Gemeinde, das heutige Angebot im Sommer 2018 weitgehend unverändert zu übernehmen. Wie die Tagestrukturen mittelfristig abgedeckt werden sollen, wird in den kommenden Monaten auf politischer Ebene entschieden.